Sowohl im privaten als auch im beruflichen Alltag führen wir eine Vielzahl von Gesprächen. Wenn uns jemand fragen würde, was für Gespräche wir während eines Tages führen, hätten die meisten Leute sicherlich Mühe, darauf eine rasche Antwort zu geben. Oft führen wir einfach Gespräche, ohne uns bewusst zu sein, was wir damit bezwecken. Manchmal verfolgen wir bestimmte Ziele. Wir wollen uns informieren, geben Anweisungen, treffen Entscheidungen, erarbeiten Lösungsvorschläge usw. Die Ziele können sehr vielseitig sein.
Grundsätzliche Regeln für Gespräche
Die gesamte Konzentration soll dem Gespräch dienen. Wesentlich dabei ist, dass man sich im Verlaufe des Gesprächs nicht ins Detail verliert oder gar nach einer gewissen Zeit plötzlich in einem anderen Thema gelandet ist.
Der Notizblock gehört zu jedem Gespräch. Tauchen während dem Gespräch Elemente auf, auf die man gerne näher eingehen möchte, jedoch nicht direkt zum Thema gehören, entlastet eine kurze Notiz sofort das Gedächtnis. Jedes gute Gespräch sollte folgende Grundelemente beinhalten:
Vorbereitung des Gesprächs
Ist für ein bestimmtes Gespräch eine Vorbereitung notwendig, muss die entsprechende Zeit auch vorher zur Verfügung stehen. Das Gespräch soll ein Erfolg werden und Erfolge bedürfen der sorgsamen Vorbereitung.
Das Ziel
Das Ziel muss vor jedem Gespräch gut überlegt sein, bei wichtigen Gesprächen sogar aufgeschrieben. Es genügt aber nicht, seine Ziele einfach festzulegen, sondern wir müssen uns auch in die Situation der Mitarbeitenden hineindenken.
Mit diesem Ziel wird das Gespräch eröffnet: „Das Ziel unserer Besprechung ist, . . .“
Dadurch kann sich das Gegenüber gleich von Beginn weg ein klares Bild machen. Sollte das Gegenüber im Laufe des Gesprächs abschweifen, können Sie immer wieder auf das Ziel zurückkommen: „In welchem Zusammenhang steht das mit dem Ziel unseres Gesprächs?“
Die Person
Zu einem sachlichen Gespräch kommt es nur, wenn ich dem Gesprächspartner möglichst vorurteilslos begegne. Es ist zweckmässig, sich vor dem Gespräch nochmals klar zu werden, welcher Art meine Beziehung zum Gesprächspartner ist, vor allem bei heiklen Gesprächen.
Ort und Zeit
Vorbereitende Fragen für Gespräche
Wenn Sie im Gespräch erreichen wollen, dass die anderen Ihnen zuhören, dass sie das Gesagte verstehen und so auf Ihre Ideen eingehen können, dann fragen Sie sich vorher:
Aktives Hinhören
Nicht immer ist die Person, welche spricht, auch diejenige, welche führt. Vielfach ist es genau umgekehrt. Eine gute Gesprächsführung beginnt beim guten Hinhören. Aktives Hinhören ist keine Technik, sondern eine Einstellung, eine Grundhaltung dem Anderen gegenüber. Aktiv hinhören heisst:
Voraussetzungen für aktives Hinhören
Aktives Hinhören ist vielmehr eine innere Einstellung als eine Technik. Dennoch sind wir überzeugt, dass aktives Hinhören lernbar ist, nicht als Technik, sondern als ein aufmerksames und einfühlendes Offensein gegenüber dem Gesprächspartner. Es beinhaltet die Fähigkeit, Ungewohntes zu respektieren und die Welt mit den Augen des anderen zu sehen.
Hilfsmittel für aktives Hinhören
Hinhören ist eine Eigenschaft, welche man sich antrainieren kann. Nur wer Hinhören kann, kann Informationen aufnehmen. Um ein gutes Gespräch führen zu können, muss man aber Informationen erhalten.
Kommunikationssperren
Bestimmte Arten von Äusserungen oder die Wahl der Worte können wesentlich darüber entscheiden, ob ein Gespräch den gewünschten Verlauf nimmt. Bemerkungen, selbst wenn sie nicht einmal so gemeint sind, können dazu führen, dass der Gesprächspartner sich abgewiesen, erniedrigt oder angeschuldigt fühlt. Daraus resultiert meist eine Konfliktsituation, die nur noch schwer zu retten ist.
Viele Bemerkungen, die wir täglich von uns geben, haben bereits Volksmundcharakter, lösen aber vielfach negative Gefühle, die zu Kommunikationssperren führen. Um ein Gespräch erfolgreich durchführen zu können, sollten auf die nachstehend aufgeführten Äusserungsarten verzichtet werden.
Kommandieren | - Lassen Sie das sein! - Wir erwarten von Ihnen, dass Sie ..... - Nehmen Sie zur Kenntnis, dass ...... |
Drohen | - Falls Sie ...., dann - Ich warne Sie ..... - Passen Sie auf ...... |
Urteilend kritisieren | - Sie machen das völlig falsch - Wie können Sie nur so etwas ...... - Sie haben keine Ahnung |
Selbstbezogen „beraten“ | - Wenn Sie mich fragen, dann ..... - Meiner Meinung nach wäre es besser, wenn ..... - Ich bin der Auffassung, dass .... |
Heuchelnd loben | - Das schaffen Sie schon - Mit Ihren Fähigkeiten erledigen Sie das - Sie sind so gut, dass .... |
Erniedrigen | - Ja, wissen Sie das denn nicht - Sagen Sie nur, Sie haben noch nie davon gehört - Haben sie vielleicht ein Problem? |
In der Hektik des Alltags lässt man leicht einmal eine solche oder ähnliche Bemerkung fallen. Nur das tägliche Training führt nach einiger Zeit dazu, dass man nicht aus Versehen eine Kommunikationssperre aufbaut. Sollte es trotzdem geschehen, war es noch nie verboten, sich zu entschuldigen.
Faustregeln beim Sprechen
Kurz
| Konkret
|
Klar
| Persönlich
|
Durchführung des Gesprächs
Voraussetzung: grundsätzliche Gesprächsbereitschaft der Gesprächspartner!
Wenn Sie eine beliebige Unterhaltung zwischen zwei Menschen beobachten, sehen und spüren Sie, welche Merkmale ein Gespräch zu einem guten oder auch zu einem schlechten Gespräch machen. Aus diesen Beobachtungen lassen sich allgemeine Gesprächsregeln ableiten. So ist es z.B. wichtig, dass Sie in Ihrem Gespräch mit Herrn Neuda versuchen, eine positive Atmosphäre zu schaffen. Nur so wird sich dieser offen und frei äussern. Schauen Sie Herrn Neuda in die Augen, wenn Sie miteinander reden. Wenn Ihr Blick abschweift oder Sie immer auf den Tisch schauen, hat der Gesprächspartner schnell das Gefühl, zu wenig Aufmerksamkeit zu bekommen. Bringen Sie sich persönlich ein in das Gespräch, es ist eine Voraussetzung für Vertrauen.
Ob wir unser Ziel erreichen oder nicht, ob ein Gespräch für beide Seiten befriedigend ist oder nicht, hängt stark davon ab, was gefühlsmässig – auf der Beziehungsebene zwischen den Gesprächspartner abläuft.
Es ist wichtig, dass wir versuchen, unser Wahrnehmungs- und Einfühlungsvermögen zu verbessern. Erst wenn wir spüren und bewusst werden, was gerade zwischen uns und unserem Gesprächspartner „läuft“, erst wenn wir wahrnehmen, was „in der Luft liegt“, können wir auch die gefühlsmässige Komponente eines Gesprächs miteinbeziehen.
Nachbearbeitung
Bei wichtigen Gesprächen ist es zweckmässig, sich nach dem Gespräch zu überlegen, wie es verlaufen ist, wo Stärken, wo Schwächen waren. Dazu gehört auch die Überprüfung der Zielerreichung. Es ist möglich, sich die wichtigsten Ergebnisse zu notieren und bei der Vorbereitung eines nächsten Gespräches wieder zur Hand zu nehmen.