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Grundsätzliche Ursachen für Fehler in der Kommunikation

Fehler Sender

  • Organisiert Gedanken nicht, bevor er spricht
  • Drückt sich ungenau aus
  • zu viel in einer Aussage à wirkt verwirrend
  • Kontrolliert nicht, ob Gegenüber verstanden hat
  • Übergeht, überhört, übersieht Äusserungen des Gegenübers
  • Hört nicht zu

Fehler Empfänger

  • Ist unaufmerksam - hört schlecht zu
  • Denkt an Antwort, während Gegenüber spricht
  • Hält sich in Details auf - erfasst Zusammenhang nicht
  • Hört mehr oder weniger, als Sender sagt
  • Hört nur, was eigene Ansicht bestätigt
  • Fühlt sich für die Kommunikation nicht verantwortlich
  • Fragt nicht zurück

Überordnung

  • Arrogant auftreten
  • Mit Provokationen aufwarten
  • Gegenüber Gesicht verlieren lassen
  • Schwächen vorenthalten
  • Druck ausüben
  • Belehren, schulmeistern, Fachvorträge
  • Sich selbst in den Vordergrund stellen
  • Mit Übertreibungen auf sich aufmerksam machen
  • Andere Meinung nicht gelten lassen
  • Behauptungen aufstellen
  • Anderen ins Wort fallen

Unterordnung

  • Dauernde Entschuldigungen
  • Unterwürfige Haltung
  • Überfreundlichkeit
  • Jede Bedingung akzeptieren
  • Flucht vor unangenehmen Themen
  • Persönliche Angriffe dulden
  • Versprechen abgeben, die man nicht einhalten kann
  • Angst vor eigenen Vorschlägen haben
  • Angst sich durchzusetzen
  • Negative Äusserungen über Unternehmen, Kollegen, Vorgesetzte, usw.

Ursachen für Empfangsfehler

  • Einseitige, starre innere Überzeugung
  • Vorurteile
  • Das Bild, das der Empfänger von sich selbst hat
  • Das Bild, das der Empfänger vom Sender hat
  • Verschiedene Sprachmilieus

Drei Empfangsvorgänge beim Entschlüsseln

Könnte man das, was sich in uns abspielt, beim Empfangen einer Botschaft in Zeitlupe aufzeichnen, so würde man sehen, dass dieser Vorgang in 3 Phasen abläuft:

  1. Wir nehmen wahr
     Wahrnehmen heisst: Etwas sehen, hören oder fühlen
     Beispiel: Ich sehe, dass du weinst, ich höre dein Schluchzen
  2. Wir interpretieren
     Interpretieren heisst: Das Wahrgenommene mit einer Bedeutung versehen
     Beispiel: Ich nehme an, Du bist traurig und deprimiert
  3. Wir fühlen – reagieren
     Fühlen heisst: Auf das Wahrgenommene und interpretierte mit einem Gefühl antworten, wobei die eigene seelische Verfassung mit darüber entscheidet, was für ein Gefühl ausgelöst wird, z.B. Wut angesichts des abfälligen Blickes.
    Beispiel: Deine Traurigkeit löst bei mir ein Gefühl des Bedrückt seins aus. Dieses Gefühl unterliegt nicht der Beurteilung richtig oder falsch, sondern ist eine Tatsache.

 Jeder dieser 3 Schritte ist so eng mit den andern verknüpft, dass wir sie ohne Nachdenken nur schwer auseinander halten können.

Wichtig: Interpretieren gehört zum menschlichen Alltag. Wir weisen dem, was wir wahrnehmen, immer Bedeutung zu. Es geht nicht darum, Interpretationen zu vermeiden, sondern um das Bewusstsein, dass wir interpretieren und dass eine Interpretation mehr oder weniger zutreffen oder auch falsch sein kann.

Wahrnehmung - Situationen und Fehlerquellen

1. Unsere Wahrnehmung wird durch persönliche Gefühle beeinflusst

Herr Muster kommt verärgert zur Arbeit. Er empfindet, dass heute die meisten Leute unfreundlich grüssen - und merkt selber nicht, dass er selber „kurz angebunden“ ist.

2. Unsere Wahrnehmung ist nicht objektiv

Ein randvoll gefülltes Glas ist leicht und objektiv als randvollgefüllt zu bezeichnen. Ein halb gefülltes Glas kann von verschiedenen Betrachtern als halb voll oder halb leer angesehen werden. Je nach Urteil wird der Wirt als grosszügig beziehungsweise geizig bezeichnet.

3. Der Wahrnehmungsprozess ist selektiv

Die Umwelt liefert uns so viele Reize, dass wir eine Auswahl treffen müssen. Wahrnehmung ist dabei eine Art Kompromiss zwischen dem, was der Mensch wahrzunehmen erwartet und dem, was ihm zur Wahrnehmung geboten wird.

4. Der Wahrnehmungsprozess ist individuell

Herr Meier steht vor einer neuen Aufgabe und reagiert mit einer Reihe von schlaflosen Nächten. Wenn Frau Müller vor einer neuen Aufgabe steht, fühlt sie sich stets auf angenehme Art gefordert und ist schon angeregt. Sie schläft gut. Die beiden haben einen unterschiedlichen Wahrnehmungsstil. Dies führt zu verschiedenen Verhaltensweisen.

5. Unsere Wahrnehmung versucht, Ganzheiten zu erfassen

Managern wurde kürzlich an einem Seminar empfohlen, bei öffentlichen Auftritten keine handgestrickten Socken zu tragen – es könnte dadurch ein etwas „handgestrickter“ Gesamteindruck entstehen, der die Zuschauenden an der Kompetenz des Managers zweifeln lassen könnte.

6. Unsere Wahrnehmung hängt von bereits gemachten Erfahrungen ab

Fredy hat heute Hemmungen, wenn er bei einer Teamarbeit mitreden sollte. Als Jüngster am Familientisch hat er als Kind die Erfahrung gemacht, dass die anderen viel besser und schneller sprechen konnten als er. Ihn hatte man entweder überhört oder oft ausgelacht.

7. Unsere Wahrnehmung wird beeinflusst durch vorgefertigte Bilder (Stereotype)

Frau Manser ist überzeugt, dass EDV-Programmierer kein dreidimensionales Vorstellungsvermögen haben. Sie erklärt deshalb einem Informatiker einen Sachverhalt so lange und umständlich, dass dieser nun wirklich nicht mehr versteht, was Frau Manser eigentlich will.

8. Der Gesamteindruck wird oft bestimmt durch ein herausstechendes Merkmal 

Der Diskussionsleiter qualifiziert ein Mitglied der Gesprächsrunde als teilnahmslos und desinteressiert. Er hat beobachtet, dass dies Teammitglied nie aktiv mitdiskutiert.

Hinweise für erfolgreiches Verhalten

Aus dem Wahrnehmungsgeschehen wollen wir nun Fragen und Hinweise ableiten, die uns die Beziehung zu anderen Menschen erleichtern und die für eine erfolgreiche Gesprächsführung hilfreich sind.

Nehmen Sie sich während den Gesprächen Zeit, still für sich diese Fragen zu stellen.

  • Wie fühle ich mich, wie fühlen sich die anderen?
  • Sieht der andere etwas, was ich übersehen habe?
  • Was genau habe ich wahrgenommen, was „hinzugedichtet“?
  • Wie ist mein Gegenüber zu seiner Meinung gekommen?
  • Lasse ich mich von Vorurteilen leiten?
  • Was ist an der gegenwärtigen Situation speziell?
  • Hat mich ein hervorstechendes Merkmal zu einem Gesamturteil verleitet?
  • Behauptungen unterlassen – Toleranz üben
  • Nicht versuchen, den anderen die eigene Sichtweise aufzudrängen

Vorurteile und Stereotype

Die Wahrnehmung von sozialen Sachverhalten ist nicht ein objektives Registrieren all dessen, was tatsächlich ist und abläuft. Vielmehr gehen in unsere Wahrnehmung eine Reihe von Einstellungen oder Hypothesen ein, deren Richtung durch vorausgegangene Lernprozesse und  frühere Erfahrungen bestimmt ist. Diese Einstellungen helfen uns, die aus der Umwelt mitgeteilte Information über Sachverhalte zu entschlüsseln und sie für uns brauchbar, d.h. dem bisherigen Erfahrungsschatz und dem bisher Gelernten integrierbar zu machen.

Die „Einstellung scheint also etwas zu sein, was den Ablauf von Wahrnehmungen, Vorstellungen und Gedanken sehr stark beeinflusst. Sie bestimmen den Gesichtspunkt, von dem aus man etwas betrachtet; sie bestimmen aber auch damit die Bedeutung, den Wert, den Sinn, den die Dinge und Ereignisse für uns haben“.

Solche Einstellungen und Haltungen sind also Verhaltensbereitschaften, die zur Orientierung des Menschen gegenüber Sachverhalten - Personen, Objekte, Vorgänge - dienen; sie haben eine erkennende (kognitive), eine bewertende und eine gefühlsmässige (emotionale, affektive) Dimension.

Je stärker in einer Einstellung die kognitive Dimension ausgeprägt ist, desto flexibler und realitätsangepasster ist die Einstellung. Je stärker die affektive Besetzung ist, desto geringer ist auch die Bereitschaft zur Änderung dieser Einstellung. Sie sinkt auch mit Lebensdauer dieser Einstellung: Diejenigen Einstellungen, die wir sehr früh erworben haben, sind gewöhnlich die starrsten und rigidesten; ältere Leute ändern weniger leicht ihre Einstellung, weil die meisten ihrer Einstellungen eben älteren Datums sind. Solche starren, affektiv betonten Einstellungen, die auch bei Erhalt neuer Informationen über den betreffenden Sachverhalt aufrechterhalten werden, nennt man Vorurteile oder auch Stereotype. Dabei ist es nicht die mangelnde Möglichkeit zur Information: Auch wenn viele kognitive Informationen gegeben werden, ändern sich die Bewertungen und Emotionen gegenüber dem Meinungsgegenstand fast überhaupt nicht. Die Information wird innerlich nicht akzeptiert, auch wenn sie von aussen gegeben wird. Somit könnte man sagen, dass Vorurteile eigentlich immer auf einem subjektiven Mangel an Informationen über den Sachverhalt beruhen. Dieser subjektive Mangel wird verständlich sowohl aus dem Bedürfnis nach Einfachheit, Ordnung und Überschaubarkeit als auch der Notwendigkeit zur Abwehr und zur tiefenpsychischen Schutzfunktion.  Es wird gewissermassen unbewusst versucht, neue Informationen nicht auf sich einwirken zu lassen, sondern ihnen aus dem Wege zu gehen.

Woher kommen sie?

Menschen, die bestimmten Gruppierungen angehören wollen (Familie, Berufsstand, Schulklasse, Konfession), müssen in einem hohen Ausmass die Wertesysteme und Glaubensvorstellungen dieser Gruppe teilen. Um Gruppenzugehörigkeit zu erlangen, ist es notwendig, mit den affektiv verwurzelten Überzeugungen dieser Gruppe übereinzustimmen. Diese Übereinstimmung macht einen wesentlichen Bestandteil des sogenannten Wir-Gefühls einer Gruppe aus, sie ist Erkennungszeichen und Bedingung für die Zugehörigkeit. Wer also „dabei sein will“, muss auch die Stereotype einer Gruppe oder Gesellschaft übernehmen: „Ein Junge weint nicht“, „Kapitalisten beuten aus“ usw. Man kann also sagen, dass Stereotype und Vorurteile, genetisch gesehen, bedingt sind durch soziales Lernen im Streben nach Gruppenzugehörigkeit.

Wozu dienen sie?

Stereotype, ähnlich wie auch Gewohnheiten, sparen Zeit und Mühe, sich in jeder Situation jeweils neu entscheiden zu müssen. Dies wäre sowieso nicht leistbar und würde nur eine geringe Handlungsfähigkeit des Menschen ermöglichen, da es enorm viel Zeit und psychische Energie brauchen würde, dauernd solche Entscheidungen zu treffen.  Insofern sind Stereotype sinnvoll und werden beibehalten, solange sie das Individuum schützen und befriedigen. Sie wirken also entlastend, auch dadurch, dass sie eine Gruppenzugehörigkeit und damit Sicherheit vermitteln.

Man kann sagen, dass mit Hilfe von Stereotypen Verhaltensweisen innerhalb von sozialen Gruppen bestimmt und reguliert werden. Eine Abwehr gegen die Infragestellung und Änderung von Stereotypen ist in diesem Sinne als Schutzfunktion für die entsprechende Sozietät zu verstehen.

Stereotype sind meist:

  • einfacher strukturiert als die Wirklichkeit
  • die Erfahrung grob vereinfachend
  • ein vorschnelles, nicht der Realität angepasstes Urteil implizierend
  • eine hohe Konstanz und Rigidität (Starrheit) besitzend

Daraus wird schnell deutlich, dass es nicht darum geht, bestehende Stereotype gewaltsam zu zerbrechen in der Illusion, man käme ohne sie aus. Es kommt vielmehr darauf an, sich seiner Stereotype, die man aufgrund diverser Gruppenzugehörigkeiten erworben hat, bewusst zu werden und sie in den Situationen, in denen eine Konfrontation mit dem stereotypisierten Objekt ansteht, auf ihren Gehalt hin zu prüfen.